Wenn wir Zuhause bleiben

Wenn wir Zuhause bleiben

Ich hab mich oft gefragt, was mich wirklich hält und hab gemerkt, das bin ich selbst. Doch jetzt gerade geht es nicht um mich, auch nicht um dich. Sondern, ob du immer noch in Frage stellst. Es geht um das, was du im Nichtstun tust. Weil das gerade mehr hält, als nur mich oder dich, am Ende vielleicht die ganze Welt.

Und wer weiß, vielleicht findest du auf diesem Weg, ganz ausversehen dich selbst, entdeckst dich neu und was du magst und heilst deine Wunden, die du schon viel zu lange versuchst zu leugnen, als wären sie nicht da. Sieh dir in die Augen, jeden Tag ein bisschen länger. Sag‘ guten Tag zu dir selbst und wie schön es ist, dich endlich kennenzulernen.

Bleib daheim.

Die Welt brennt und du tanzt, schürst noch weiter an. Stell dir nur vor, du löschst das Feuer, wenn du still stehst, ganz regungslos und dort bleibst, wo du bist – auf Distanz, bevor du im Tanze selbst Feuer fängst. Vielleicht wolltest du als Kind immer ein Superheld werden, wie Batman oder Wonderwoman, weißt du jetzt ist deine Zeit. Deine Zeit zu zeigen, dass es nicht nur um dein Heldentum, sondern vielmehr um das Gemeinwohl geht. Ein Held zu sein liegt fern des Egoismus, fern von eigenen belangen. Irgendwo ist ein Antrieb, für all das Tun, doch am Ende ist das große Ganze, immer größer, als das eigene individuelle Selbst.

Deine Heldengeschichte wird eine andere sein, denn Helden retten immer die Menschen zuerst, niemals sich selbst. Doch heute rettest du die Welt und dich gleichsam, weil du ein Teil dieser Welt bist, weil heute jede Tat gleich viel wiegt.

Bleib daheim.

Manchmal hilft es, irgendwo nach oben zu steigen, auf einen Berg oder auch nur einen Hügel. Nur um zu sehen, wie klein wir eigentlich sind. Nein, nicht im negativen Sinne. Denn wenn ich kleiner bin, werden es auch meine Sorgen und Ängste. Und ich habe wieder mehr das Gefühl, Teil etwas viel größerem zu sein. So, wie auch du es bist.

Wir gehen auf Distanz aus Liebe. Kurz an die frische Luft. Blauer Himmel. Vogelgezwitscher. Und Dankbarkeit. Für dieses Leben. Jeder Morgen beginnt mit Veränderung. Und ich hoffe jeden Tag, mit dem Öffnen meiner müden Augen und dem Start des Radioweckers auf gute. Ich stelle mir vor, dass wir uns in einem halben Jahr näher sind, als je zu zuvor, lauter lachen, ausgelassener tanzen, weil wir wissen, dass es auch anders sein kann. Weil wir wissen, dass wir das richtige getan haben. Weil wir wissen, dass wir wichtig waren. Dass es uns all das, das Selbstverständnis von Dingen lehrt, die nicht selbstverständlich sind. Wie atmen. Und dass wir hier, dass wir am Leben sind.

Ich fuhr nach Hause, um zu Hause zu bleiben. Ein wenig nostalgisch, befremdlich. Es fühlt sich komisch an. Wie konnten wir nur so töricht sein zu glauben, dass Grenzen existieren, während wir alle unter dem selben Himmel leben.

Bitte, bleib daheim.

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